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Digitale Souveränität erfordert eine multimodale Organisation 

Lesezeit: 6 Minuten

Diskussionen über digitale Souveränität drehen sich oft um Technologieentscheidungen. Welche Cloud-Plattform nutzen wir? Wo werden unsere Daten gespeichert? Von welchen Partnern sind wir abhängig? Technologieentscheidungen sind wichtig, insbesondere in einer Welt, in der geopolitische Spannungen, konzentrierte Plattformmärkte und neue Regulierungen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Abhängigkeiten die Geschäftskontinuität beeinträchtigen. Technologie ist jedoch nur ein Teil der Wahrheit.

Digitale Souveränität bedeutet, die Kontrolle zu haben.

Die richtige Technologie allein garantiert einem Unternehmen nicht automatisch die gewünschte Kontrolle. Selbst mit einer souveränen Cloud-Lösung bleibt man vollständig von externem Know-how abhängig. Auch wenn man die Daten besitzt, fehlen einem intern die Kapazitäten, diese zu verwalten, zu interpretieren oder zu verschieben. Digitale Souveränität ist daher nicht nur eine technologische, sondern auch eine organisatorische Frage.

Die entscheidenden Fragen lauten: Wer führt die Arbeit aus? Wer trägt die Verantwortung? Wer trifft die Entscheidungen? Wie ist die Entscheidungsfindung organisiert? Wer ist in der Lage, Lieferanten zu hinterfragen, Alternativen zu bewerten und zu entscheiden, ob eine Abhängigkeit noch akzeptabel ist?

Diese Fragen entscheiden darüber, ob eine Organisation tatsächlich die Kontrolle hat. Die Antwort ist nicht für jeden Geschäftsbereich gleich. Die Dynamik und die Besonderheiten der Aktivitäten bestimmen die Entscheidungen der Organisation. Das bezeichnen wir als multimodale Organisation.

Beginnen Sie damit, zu verstehen, was wirklich zählt.

Multimodales Modell 2

Digitale Souveränität beginnt mit einer strategischen Analyse. Welche Aktivitäten sind spezifisch für Ihr Unternehmen? Wo liegt Ihr Wettbewerbsvorteil? Welche Aktivitäten beinhalten kritisches Wissen über Kunden, Anlagen, Prozesse oder Daten? Und wo würde ein Kontrollverlust ernsthafte strategische, operative oder regulatorische Risiken bergen?

Diese Aktivitäten erfordern ein höheres Maß an Kontrolle. Das bedeutet nicht, dass alles intern abgewickelt werden muss. Digitale Souveränität bedeutet nicht, vollständige Unabhängigkeit anzustreben, sondern bewusste Entscheidungen hinsichtlich Eigentum, Verantwortlichkeit und Entscheidungsbefugnissen zu treffen.

Konkrete Aktivitäten: Die Fähigkeiten aufbauen, um das zu steuern, was zählt

Bei bestimmten Aktivitäten sollte die Verantwortung intern oder in unmittelbarer Nähe zum Unternehmen liegen. Auch bei strategisch wichtigen Aktivitäten können externe Partner eine wertvolle Rolle spielen. Die gemeinsame Entwicklung mit Partnern kann Schnelligkeit, Expertise und Innovation fördern. Die Eigentumsrechte an geistigem Eigentum sowie wichtige Entscheidungen bezüglich Daten, Architektur und Technologie dürfen jedoch nicht implizit bleiben oder in den Händen von Lieferanten liegen. Das Unternehmen muss in der Lage sein, die Richtung zu steuern, zu hinterfragen, fortzuführen und gegebenenfalls zu ändern.

Für diese kritischen Aktivitäten ist es wichtig, den aktuellen Grad der Abhängigkeit zu verstehen. Welche Technologie wird eingesetzt? Wer versteht die Lösung intern? Wem gehört die Architektur? Kann das Unternehmen den Anbieter wechseln, die Technologie migrieren oder den Betrieb fortsetzen, wenn der aktuelle Partner nicht mehr verfügbar ist?

Eine praktische Möglichkeit, dies zu verdeutlichen, besteht darin, alternative Szenarien zu entwerfen. Wie sähe ein Ausstiegsszenario für einen kritischen Lieferanten aus? Was wäre nötig, um Daten und Prozesse zu migrieren? Welche Fähigkeiten und Governance-Maßnahmen sind erforderlich, um die Abhängigkeit zu reduzieren? Diese Szenarien führen nicht immer zu radikalen Veränderungen. Manchmal lautet das Fazit, dass die Abhängigkeit akzeptabel ist, solange die Governance gestärkt wird. Manchmal ist die richtige Antwort der Aufbau zusätzlicher interner Orchestrierungskapazitäten.

Organisationen benötigen Fachkräfte, die Geschäftsprioritäten, Technologieentscheidungen, Datenanforderungen, Lieferantenleistung und Risikobetrachtungen miteinander verknüpfen können. Sie brauchen Architekten, Produktverantwortliche, Lieferantenmanager, Datenspezialisten und Geschäftsinhaber, die über ausreichendes Verständnis verfügen, um gemeinsam fundierte Entscheidungen zu treffen. Ohne diese Kompetenzen bleibt Datensouveränität ein Ziel und wird nicht zur Realität.

Generische Aktivitäten: Nutzen Sie den Markt ohne blinde Abhängigkeit

Bei generischen Aktivitäten verläuft die Logik etwas anders. Hierbei handelt es sich um Aktivitäten, bei denen die Organisation von externem Wissen, Marktentwicklung und Best Practices der Branche profitiert. Partner können Innovationen, Benchmarks und spezialisiertes Fachwissen einbringen. Doch auch in diesem Fall sollte die Abhängigkeit bewusst gestaltet werden – durch gezielte Entscheidungen hinsichtlich Daten, Technologie, Beschaffung und Governance.

Bei Standard- und stabilen Tätigkeiten ist die Durchführung durch Partner oft die logischste Wahl. Diese Tätigkeiten profitieren typischerweise von Standardisierung, Vorhersagbarkeit und Kosteneffizienz. Das Unternehmen benötigt eine zuverlässige Durchführung, klare Service-Level-Vereinbarungen und effiziente Abläufe. Ausstiegsklauseln, Kontrollmaßnahmen, Datenhoheit, Prüfungsrechte und Notfallpläne sind wichtige Instrumente, um die Kontrolle zu behalten.

Für generische und dynamische Aktivitäten sollten Organisationen mit Partnern zusammenarbeiten, die Best Practices und Branchenkenntnisse einbringen. Diese Partner unterstützen die Organisation bei Innovationen, Benchmarking und kontinuierlicher Verbesserung, ohne dass die gesamte (Umsetzungs-)Expertise intern aufgebaut werden muss. Die Organisation muss sich auf die Wertschöpfung konzentrieren und gleichzeitig die Kontrolle behalten – durch klare Entscheidungsbefugnisse, gemeinsame Wertsteuerung, Transparenz in der Leistungsbewertung und Ausstiegsklauseln.

Multimodale Organisation: Kontrolle dort, wo es darauf ankommt.

Digitale Souveränität wird oft als Frage der Unabhängigkeit dargestellt. Doch für die meisten Organisationen ist vollständige Unabhängigkeit weder realistisch noch wünschenswert. Abhängigkeit ist unvermeidbar. Die eigentliche Frage ist, ob diese Abhängigkeit bewusst ist.

Eine multimodale Organisation hilft, diese Frage zu beantworten. Sie schafft einen strukturierten Rahmen, um zu entscheiden, wo hohe Kontrolle erforderlich ist, wo Partner die Führung übernehmen können, wo Co-Kreation notwendig ist und welche Aktivitäten Marktstandards erfordern. Sie konkretisiert digitale Souveränität bis hin zu Organisationsstruktur, Beschaffungsentscheidungen, Kompetenzen und Governance.

Bewusste Entscheidungen sind der Schlüssel

Digitale Souveränität bedeutet bewusste Abhängigkeit, nicht vollständige Unabhängigkeit. Treffen Sie bewusste Entscheidungen für Ihr Unternehmen. Behalten Sie die Kontrolle, wo es darauf ankommt.

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Jeroen Spit
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Lisa Folkertsma-Sijtsma
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