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SAP ECC-Ende: Es ist keine IT-Frist, sondern eine Entscheidung über Ihre digitale Kerninfrastruktur. 

Lesezeit: 7 Minuten

Für die meisten Unternehmen erscheint 2027 noch in weiter Ferne. Es gibt immer dringendere Aufgaben, die Aufmerksamkeit fordern: Quartalsziele, Transformationsprogramme, Cloud-Migrationen, der tägliche Betrieb. Doch für alle Unternehmen, die noch SAP ECC einsetzen, rückt ein konkreter Stichtag näher: Die reguläre Wartung der SAP Business Suite 7, zu der auch SAP ERP 6.0/ECC gehört, endet Ende 2027.

Auf dem Papier klingt das nach einem technischen Detail, das in einer SAP-Roadmap versteckt ist. In Wirklichkeit greift es direkt in den Kern der Geschäftsprozesse ein. ECC bildet die Grundlage für mindestens den Finanzbereich, oft auch für den Einkauf, und im weitesten Sinne für Finanzen, Einkauf, Logistik, Produktion, Lagerhaltung und Personalwesen. Gleichzeitig dient es als primäres Quellsystem für Reporting, Compliance und Managementinformationen. Wer mit ECC arbeitet, beeinflusst Prozesse, Daten, Entscheidungsfindung, Risikomanagement und die Zusammenarbeit von Abteilungen, Geschäftsbereichen und externen Partnern.

Die eigentliche Frage lautet also nicht nur „Wann steigen wir auf SAP S/4HANA um?“, sondern „Welche Art von digitaler Kerninfrastruktur benötigt diese Organisation tatsächlich für das nächste Jahrzehnt?“

SAP-Lebensende

Mehr als nur ein Upgrade: eine strategische Entscheidung

SAP brachte S/4HANA im Jahr 2015 als nächste Generation von Unternehmenssoftware auf den Markt. Es basiert auf SAP HANA und ist als Grundlage für die zukünftige Digitalisierung positioniert. Viele Unternehmen haben den Wechsel bereits vollzogen oder befinden sich mitten im Prozess, doch eine große Anzahl arbeitet weiterhin mit ECC.

Das ist nicht überraschend. ERP-Systeme sind selten einfach nur Software; sie sind das Ergebnis jahrelanger Prozessentscheidungen, Anpassungen, Integrationen, Berichte, individueller Ausnahmen und organisatorischer Kompromisse. Genau deshalb ist der Umstieg auf S/4HANA kein routinemäßiges Upgrade. Er bietet die Chance, grundlegende Fragen neu zu prüfen: Welche Prozesse sollten standardisiert werden? Welche Anpassungen sind tatsächlich noch sinnvoll? Welche Daten sind für die Unternehmensführung, die Einhaltung von Vorschriften und zukünftige KI-Anwendungsfälle am wichtigsten? Und passt SAP überhaupt noch zur angestrebten digitalen Architektur des Unternehmens?

Deshalb ist die ECC-Frist nicht nur für die IT, sondern auch für die Geschäftsleitung relevant – CIOs, CFOs, COOs und Führungskräfte gleichermaßen. Nicht weil jedes Unternehmen sofort auf S/4HANA umsteigen muss, sondern weil das Hinauszögern der Entscheidung ohne klare Strategie mit jedem Tag riskanter wird.

Der Druck wächst

SAP wird die reguläre Wartung der Kernanwendungen der SAP Business Suite 7 bis Ende 2027 unterstützen. Danach können Unternehmen bis 2030 gegen Aufpreis eine optionale, erweiterte Wartung in Anspruch nehmen. Wer danach noch auf ECC setzt, gerät zunehmend in eine schwierige Lage.

Gartner schätzt die Zahl der SAP-ECC-Kunden Ende 2024 auf rund 35,000, wobei etwa 39 % bereits auf S/4HANA migriert sind oder sich im Migrationsprozess befinden. Bei gleichbleibendem Tempo rechnet Gartner damit, dass 2027 noch etwa 17,000 Unternehmen mit ECC arbeiten werden. Der SAPinsider-Benchmark für 2025 zeichnet ein ähnliches Bild: 34 % sind bereits auf S/4HANA umgestiegen, 41 % planen die Migration bis Ende 2027, 18 % erwarten, diesen Termin nicht einhalten zu können, und 7 % haben überhaupt keine Migrationspläne.

Ein Rückstand bei ECC ist zwar weit verbreitet, aber nicht ungefährlich. Die Kosten des Stillstands werden immer deutlicher: steigende Wartungsgebühren, eingeschränkter Zugang zu Innovationen, wachsende Sicherheits- und Compliance-Risiken, ein schrumpfender Pool an ECC-Expertise, immer schwieriger zu pflegende Anpassungen und Integrationen, die zunehmend mit modernen Cloud- und Datenumgebungen kollidieren. Auch die Migrationskapazitäten nehmen ab. Je näher das Jahr 2027 rückt, desto größer wird der Wettbewerb um Spezialisten, Implementierungspartner, Architekten und interne Projektkapazitäten.

Schritt eins: Entscheiden Sie, ob SAP überhaupt die Zukunft ist.

Hier gibt es keine allgemeingültige Antwort, es kommt auf das jeweilige Unternehmen an. Doch die erste Frage, die geklärt werden muss, ist grundlegender als jeder Migrationsweg: Will dieses Unternehmen überhaupt weiterhin SAP nutzen? Erst wenn diese Frage beantwortet ist, macht es Sinn, über das Wie zu sprechen. Der richtige Weg hängt von der Strategie, der Architektur, dem Reifegrad der Prozesse, der Veränderungsfähigkeit des Unternehmens und der zentralen Rolle des ERP-Systems in der gesamten digitalen Landschaft ab.

Weg von SAP. Für manche Unternehmen ist der ECC-Termin der natürliche Anlass, zu hinterfragen, ob SAP noch zu ihren Zukunftsplänen passt. Ein Ausstieg kann die Möglichkeit eröffnen, Prozesse neu zu gestalten und Abhängigkeiten abzubauen. Die damit verbundene Komplexität verschwindet jedoch nicht, sondern verlagert sich lediglich – typischerweise in den Bereich der Integration, Datenmigration, Prozessharmonisierung und des Change-Managements.

Für Organisationen, die sich für den Verbleib bei SAP entscheiden, gibt es im Wesentlichen drei Wege zum Wechsel zu S/4HANA:

  1. Greenfield: Aufbau des digitalen Kerns von Grund auf. Nichts wird automatisch übernommen; Prozesse, Konfigurationen und Anpassungen werden gemäß dem S/4HANA-Standard neu gestaltet. Alles ist also unabhängig von der bestehenden ECC-Umgebung. Dies bietet zwar den größten Spielraum für Vereinfachung und Standardisierung, erfordert aber auch den größten Zeitaufwand, die höchsten Investitionen und die größten organisatorischen Veränderungen. Zudem besteht die Gefahr, wertvolles Wissen und individuelle Anpassungen zu verlieren.
  1. Lift und Shift zu S/4HANA. Hier gehen Sie von Ihrem bestehenden System aus. Das vorhandene ECC-System wird auf S/4HANA umgestellt, wobei so viele der aktuellen Prozesse, Daten, Konfigurationen und Anpassungen wie möglich erhalten bleiben. Dies ist weniger aufwändig und in der Regel der schnellere Weg zur technischen Konformität, allerdings wird die bestehende Komplexität mit übernommen.
  1. Bluefield: Neuimplementierung. Dieser Ansatz liegt zwischen den beiden anderen: Bewahren, was wirklich wertvoll ist, und Erneuern, was es nicht ist. Er schafft ein Gleichgewicht zwischen Kontinuität und Erneuerung, erfordert aber reife Entscheidungen, eine straffe Unternehmensführung und echtes Verantwortungsbewusstsein seitens der Fachabteilungen, nicht nur der IT-Abteilung.

Beginnen Sie mit einer unabhängigen Wirkungsanalyse.

Bei Anderson MacGyver gehen wir solche Fragen aus der Perspektive der Geschäftstechnologie an. Wir beginnen nicht mit einem bevorzugten System, sondern fragen uns, welche digitale Infrastruktur das Unternehmen tatsächlich benötigt, um seine Strategie umzusetzen. Bezogen auf SAP ECC bedeutet das: Wir beginnen mit einem Entscheidungsrahmen, nicht mit einer fertigen Lösung.

Ermitteln Sie präzise, ​​welche Rolle ERP in der Strategie spielt. Finden Sie heraus, wo Komplexität, Anpassungen und technische Schulden tatsächlich liegen. Identifizieren Sie die Daten, die für die Unternehmenssteuerung, die Einhaltung von Vorschriften und zukünftige KI-Anwendungen entscheidend sind. Vergleichen Sie die verfügbaren Szenarien hinsichtlich Kosten, Risiko, Veränderungskapazität und strategischem Wert. Und etablieren Sie eine Governance, in der Business und IT diese Entscheidungen gemeinsam treffen.

Die ECC-Frist erzeugt echten Handlungsdruck, doch dieser darf nicht zu Tunnelblick führen. Für manche Unternehmen ist S/4HANA tatsächlich der logische nächste Schritt. Für andere ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die ERP-Landschaft grundlegend zu überdenken. Eine vorübergehende Verlängerung kann ebenfalls eine vertretbare Option sein, solange sie bewusst in einen Fahrplan integriert ist und nicht nur als Ausrede dient, die Entscheidung hinauszuzögern.

So oder so gilt eines uneingeschränkt: Unternehmen können es sich nicht länger leisten, diese Entscheidung offen zu lassen. Die ECC-Frist ist keine IT-Frist, sondern eine Frist für strategische Entscheidungen über die digitale Infrastruktur des Unternehmens.

Das sind keine Entscheidungen, die wir abstrakt treffen: Anderson MacGyver hilft Organisationen in verschiedenen Sektoren wie Bildung & Forschung (Universität Leiden & Universität Tilburg), Non-Profit (Oxfam Novib), Bauwesen und Infrastruktur, Fertigung und Gastgewerbe, genau diese Herausforderung zu meistern.

Haben Sie bereits eine Vorstellung davon, welcher Weg am besten zu Ihrer Organisation passt? Nehmen Sie Kontakt mit uns auf, um Ihre konkrete Situation zu besprechen.