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Vom Schlagwort zum Mehrwert: KI im digitalen Unternehmen

Lesezeit: 6 Minuten

Von neuen Möglichkeiten im Kundenerlebnis bis hin zu radikalen Effizienzsteigerungen: Künstliche Intelligenz (KI) kann die Spielregeln verändern, wenn man sie richtig einsetzt. Doch eine unüberlegte Implementierung birgt Risiken. Wie lässt sich KI sinnvoll und verantwortungsvoll einsetzen? Der Data-to-Value-Experte Anton Bubberman erläutert den aktuellen Stand und bietet Unternehmen und ihren Führungskräften Instrumente, um KI strategisch in die moderne digitale Unternehmenswelt zu integrieren.

Mittlerweile hat fast jeder Erfahrung mit KI und daher auch eine Meinung dazu. Interessanterweise gehen diese Meinungen weit auseinander. Manche halten sie für ein überbewertetes Schlagwort, während andere warnen, dass wir ihr Potenzial unterschätzen. Einige sehen in KI vor allem Chancen, andere eher Risiken – Möglichkeiten versus Verantwortung.

Wie bei vielen technologischen Fortschritten neigen wir wahrscheinlich dazu, die kurzfristigen Auswirkungen zu überschätzen und die langfristigen zu unterschätzen. Technologieunternehmen tragen zu dieser Tendenz bei, indem sie mit Technologien prahlen, die sich noch in der Entwicklung befinden – oft dauert es Jahre, bis sie den Markt erreichen. Und wenn es dann soweit ist, sind wir nicht mehr beeindruckt. In solchen Momenten unterschätzen wir die tatsächlichen Veränderungen, die sie mit sich bringen können.

Nehmen wir beispielsweise Big Data, dessen anfänglicher Hype sich weitgehend gelegt hat. Rückblickend bezeichnen wir es daher oft als bloßen Hype. Doch vergessen wir nicht: Unsere Investitionen in Big Data haben uns Werkzeuge wie große Sprachmodelle wie ChatGPT beschert, die PDFs, Fotos, Audio- und Videodateien lesen und interpretieren können, ohne sie öffnen zu müssen. Und das ist erst der Anfang.

Drei entscheidende Erfolgsfaktoren

Angesichts dieser Entwicklungen lohnt es sich durchaus, ein KI-gesteuertes digitales Unternehmen zu werden. Um dies zu erreichen, spielen drei grundlegende Erfolgsfaktoren eine Rolle. Ich vergleiche sie gerne mit Schach, Jazz und Philosophie. Doch zunächst wollen wir uns ansehen, wo wir aktuell stehen…

Die europäische Gesetzgebung definiert KI als ein maschinenbasiertes System, das so konzipiert ist, dass es in unterschiedlichem Maße autonom arbeitet. Es kann sich an verschiedene Umstände anpassen, um vielfältige Ergebnisse zu liefern, wie beispielsweise Vorhersagen, Kreationen, Empfehlungen und Entscheidungen, die sich auf physische oder virtuelle Umgebungen auswirken.

Künstliche Intelligenz (KI) wird mit zunehmender Autonomie und Anpassungsfähigkeit immer leistungsfähiger. Wir bewegen uns von relativ einfacher, regelbasierter Datenverarbeitung hin zum heiligen Gral: der künstlichen allgemeinen Intelligenz (AGI), die den menschlichen kognitiven Fähigkeiten entspricht. Schon jetzt kann KI selbstständig komplexe Aufgaben in verschiedenen Bereichen ausführen und lernen, sich an neue Situationen anzupassen.

Vom Roboterhund bis zum Backoffice

Manche Experten glauben, dass die allgemeine künstliche Intelligenz (AGI) noch ein halbes Jahrhundert entfernt ist; andere gehen davon aus, dass wir sie bis 2025 erreichen werden. Bis dahin bewegen sich Einzelpersonen und Organisationen auf einem Kontinuum zwischen dem Konsumieren und dem Entwickeln immer fortschrittlicherer digitaler Intelligenz. KI wird sich zunehmend in die Betriebssysteme und Anwendungen unserer Geräte und Systeme integrieren und mit persönlichen wie geschäftlichen Daten verknüpft werden. Doch welche Schritte unternehmen wir selbst – als Führungskräfte und als Unternehmen?

Bei Anderson MacGyver unterstützen wir Organisationen dabei, sich zu digitalen Unternehmen zu entwickeln. Wir haben dafür ein Modell entwickelt, das auf fünf zentralen Bausteinen basiert. Im Zentrum stehen „digitale Kompetenz“ und „gemeinsame Daten“, unterstützt durch eine solide digitale Infrastruktur. Kundenerlebnis und operative Infrastruktur bilden die flankierenden Elemente. Darüber hinaus ist das digitale Unternehmen in ein Ökosystem aus Kunden, Partnern und weiteren Stakeholdern eingebettet.

Im Bereich der KI sind die Möglichkeiten enorm: von Roboterhunden, die Produktionsumgebungen scannen, bis hin zu intelligenten Front-Office-Systemen für vielfältige Formen der menschlichen Kommunikation – soziale, unterstützende, beratende und mehr – in jeder Sprache. Hinzu kommen Tools zur Überwachung und Verbesserung des Kundenerlebnisses und der betrieblichen Abläufe im Backoffice.

Vorausdenken, Improvisieren, Philosophieren

Wie beim Schach geht es auch bei KI um vorausschauendes Denken, Planen und Bewerten. Das Umfeld verändert sich ständig, ebenso wie die Chancen und Risiken innerhalb Ihrer Organisation und Ihres Ökosystems. Organisationen und ihre Führungskräfte müssen agil bleiben und stets den nächsten Schritt überdenken.

Die Verbindung zum Jazz liegt in der scheinbaren Leichtigkeit des Spielens und Improvisierens, die oft den langen Übungsaufwand verschleiert. Neben den technischen Fertigkeiten muss man auch theoretische Grundlagen beherrschen. Meisterschaft erfordert Hingabe und umfasst sowohl fachliche als auch soziale Kompetenzen – wie die Interaktion mit anderen Bandmitgliedern.

Auch im digitalen Bereich ist neben den technischen Voraussetzungen eine KI-orientierte Kultur unerlässlich. Diese Kultur sollte die Ergebnisse kritisch auf ihren Mehrwert und ihre ethischen Dimensionen hin bewerten. Musik und Jazz mögen zwar meine Hobbys sein, doch KI darf in einem Unternehmen nicht als Nebenprojekt behandelt werden. Wahre Meisterschaft erfordert erhebliche Investitionen.

Künstliche Intelligenz erfordert auch ein philosophisches Bewusstsein für ihre ethischen Auswirkungen. Sie birgt das Potenzial, Einzelpersonen, Organisationen und andere maßgeblich voranzubringen, doch diese Macht ist mit Risiken verbunden. Wie das Skalpell eines Chirurgen kann KI in geübten Händen Wunder vollbringen, aber bei Missbrauch oder unsachgemäßer Handhabung Schaden anrichten. Bei Werkzeugen wie KI muss man sich vor Risiken wie Informationsblasen, Fehlinterpretationen und Voreingenommenheit hüten.

Eine bessere Welt bauen

Wir müssen uns stets bewusst sein, wie wir KI für unsere Kunden und andere Stakeholder einsetzen. Sie müssen uns vertrauen, sich auf uns verlassen können und wissen, dass wir die Auswirkungen auf sie verstehen. Ja, Arbeitsplätze werden wegfallen, und noch mehr werden sich verändern. Doch in kompetenten Händen – mit den richtigen Richtlinien, der richtigen Denkweise und dem richtigen Verhalten – birgt KI das Potenzial, Großartiges zu leisten. Zum Beispiel die Schaffung eines intelligenten und skalierbaren digitalen Unternehmens. Und vielleicht sogar eine bessere Welt zum Leben.

Da KI zunehmend in unseren Alltag und unsere Geschäftsprozesse Einzug hält, liegt es an den Unternehmen und ihren Führungskräften, ihre Anwendung zu steuern. Welchen ersten Schritt werden Sie heute unternehmen?

Anton Bubberman ist Senior Management Consultant und Guild Lead Data to Value bei Anderson MacGyver. Er verfügt über umfassende Technologie- und Datenerfahrung in verschiedenen Branchen, von Gesundheitswesen über Energie bis hin zu Finanzen.