Digitale Ökosysteme: Zusammenarbeit für nachhaltige Relevanz
In einer digitalen Netzwerkökonomie dreht sich alles um die Schaffung und Bereitstellung von Mehrwert. Um relevant zu bleiben, muss man nicht nur die Technologie beherrschen, sondern auch die Zusammenarbeit mit anderen verstehen. Robbert Petterson, Managementberater und Produktleiter für digitale Geschäftsforschung bei Anderson MacGyver, nutzt aktuelle Beispiele, um zu zeigen, wie Unternehmen ihre Position in einem zunehmend komplexen Spielfeld stärken können.

Dass sich der eigene Wert innerhalb eines Ökosystems rasant verändern kann, zeigt sich deutlich an den kontroversen Aktionen und Positionen von Elon Musk zu Fake News (ob mutmaßlich oder nicht) auf seiner X-Plattform, seiner offenen Unterstützung für Trump und seiner Einmischung in die europäische Politik. Die Folge ist ein drastischer Nachfragerückgang bei Tesla. Der Bedarf an Elektroautos hingegen bleibt ungebrochen. Konkurrenten nutzen diese Situation bereitwillig aus.
Die Botschaft lautet: Unterschätzen Sie niemals die Rolle von Konsumenten und Bürgern. Es ist entscheidend zu wissen, was ihnen wichtig und wertvoll ist. Und dieser Wert entsteht in der Regel nicht allein, schon gar nicht in einer zunehmend vernetzten digitalen Welt. Daher benötigen Sie ein gutes Verständnis des Ökosystems, in dem Sie agieren. Um Ihnen dies zu erleichtern, haben wir bei Anderson MacGyver das sogenannte ValueWeb, wodurch Einblicke in alle Akteure und ihre gegenseitigen Beziehungen gewonnen werden.
Die verschiedenen Akteure innerhalb dieses Wertschöpfungsnetzwerks zeichnen sich durch spezifische Aktivitäten aus, die – in Kombination mit den Aktivitäten anderer – als Produkt oder Dienstleistung für den Verbraucher und Endnutzer angeboten werden. Daraus resultiert ein zunehmend digitales und dynamisches Ökosystem aus Kunden, Partnern und diversen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessengruppen.
Um sich angemessen an einer solchen Zusammenarbeit beteiligen zu können, ist es unerlässlich, etwas aufzubauen, das als … bekannt ist. Digitales UnternehmenFünf wesentliche und eng miteinander verbundene Bausteine prägen eine solche moderne Organisation: ein unverwechselbares Kundenerlebnis, eine stabile und effiziente operative Infrastruktur, eine adäquate digitale Infrastruktur, gemeinsam genutzte Daten und digitale Intelligenz. Alles muss mit Ihrer Rolle und Position innerhalb Ihres digitalen Ökosystems übereinstimmen. Dabei geht es nicht nur um die richtige Technologie, sondern auch um die richtigen Kompetenzen, die richtige Führung und die richtige Governance. Daher ist der Aufbau eines digitalen Unternehmens eine strategische Angelegenheit.
Bessere Kundenerfahrung
Drei Beispiele veranschaulichen, wie jeweils einer der fünf Bausteine als Sprungbrett zum Erfolg dient. Welche Komponente des digitalen Unternehmens Sie wählen, hängt vom jeweiligen Kontext und den angestrebten Zielen ab. So wollte beispielsweise ein Spezialist für Montagematerialien für Solarmodule die Kundenerfahrung und -bindung verbessern, um sein europäisches Wachstum zu fördern.
Das Unternehmen agiert in einem Ökosystem, das die Muttergesellschaft, Finanzdienstleister, Aufsichtsbehörden und Vertriebspartner umfasst, welche wiederum über Installateure den Markt der Hausbesitzer und Immobilienmakler bedienen. Durch die Visualisierung dieses Ökosystems erkannte das Unternehmen, dass der Installateur die Schlüsselrolle spielt und eine langfristige Partnerschaft mit ihm aufgebaut werden muss.
Eine durchdachte digitale „Installateur-Journey“, basierend auf Kundenkenntnissen und flexiblen Frontend-Technologien, ermöglicht es, das traditionelle Vertriebsnetz zu umgehen. Dadurch rückt der Spezialist deutlich näher an den Endkunden heran – was innerhalb der Dynamik des Ökosystems von entscheidender Bedeutung sein kann.
Integriertes Rückgrat
Ein global tätiges Leasingunternehmen verfolgt einen anderen strategischen Ansatz. Das Unternehmen will im sich wandelnden Automobilsektor der erste vollständig digitale Anbieter von „Car as a Service“ werden. Damit reagiert es auf den Trend vom Besitz zum Konsum. Um dies zu realisieren, musste die gesamte, stark veraltete Kernanwendung grundlegend überarbeitet werden.
Das Unternehmen agiert in einem komplexen Ökosystem mit Anbietern von Tank- und Ladekarten, der EZB als Regulierungsbehörde, Wartungs- und Reparaturdiensten, Automobilmarken und Endverbrauchern. Als Teil dieses automobilen Netzwerks ist ein reibungsloser Datenaustausch unerlässlich. Ohne ein optimales Kundenerlebnis ist ein direkter Kundenkontakt unmöglich. Aus diesem Grund wurde eine skalierbare, vollständig integrierte Infrastruktur geschaffen. Diese umfassende Plattform ist weltweit einzigartig und kann als White-Label-Lösung vermarktet werden.
Ein solcher Schritt erfordert eine starke Führung, denn jede Prozess- und Systeminnovation bringt Entscheidungen mit sich: Wo setzt man auf marktgerechte Lösungen und wo will man sich als Unternehmen differenzieren? Darüber hinaus muss entschieden werden, wo man den lokalen Märkten die notwendige Autonomie gewährt und wo sich alle an den globalen Standard anpassen müssen.
Energiewende
Ein regionaler europäischer Netzbetreiber steht vor der ständigen Herausforderung, das Gleichgewicht zwischen Stromangebot und -nachfrage aufrechtzuerhalten. In einer Welt, in der immer mehr Energie dezentral – unter anderem von den Nutzern selbst – erzeugt wird und in der verstärkt auf nachhaltige, aber unsichere Energiequellen wie Sonne und Wind gesetzt wird, steigt der Strombedarf rasant an. Das bestehende Hochspannungsnetz mit seinen vielfältigen Anlagen stößt daher an seine Grenzen.
Durch die datengestützte Vorbereitung des Stromnetzes auf die Energiewende wird ein bedeutender Fortschritt erzielt. Aus dem Netzwerk von Bau- und Instandhaltungspartnern, Energieerzeugern, regionalen Netzbetreibern und großen Industriekunden werden umfangreiche Anlagendaten erfasst. Dies ermöglicht eine präzisere Prognose des Energiebedarfs und eine optimierte Anlagenwartung. So lassen sich bessere Entscheidungen treffen, beispielsweise die Bereitstellung von etwas mehr Strom an kalten Tagen, da die physischen Netzkomponenten weniger anfällig für Überhitzung sind.
Neben einer modernen Datenplattform und einem KI-Kompetenzzentrum ist eine effektive Daten-Governance unerlässlich. Daten aus relevanten Quellen werden den Anwendern über spezialisierte Produktteams als Informationsprodukt bereitgestellt. Unterstützt werden dies durch datenbezogene Kompetenzzentren und Plattformteams. So bleibt das Gleichgewicht zwischen Datenerzeugung und -nutzung auch in zunehmend komplexen dynamischen Umgebungen gewahrt.
Schlüsselrollen
Um als Organisation und Führungskraft im digitalen Ökosystem die richtigen Schritte zu unternehmen, ist ein tiefes Verständnis der Wünsche und Interessen aller Beteiligten unerlässlich. Insbesondere Konsumenten, Bürger und Endnutzer spielen dabei eine Schlüsselrolle. Untersuchen Sie daher, wie Sie am besten mit ihnen in Kontakt treten können. Pflegen Sie enge Beziehungen zu den wichtigsten Stakeholdern und stärken Sie so Ihre Position als digitales Unternehmen in diesem dynamischen Zusammenspiel der Akteure. Auf diese Weise schaffen Sie eine Organisation, die nicht nur am digitalen Ökosystem teilnimmt, sondern es aktiv mitgestaltet.