Kultur frisst Performance zum Frühstück
Sie war die beste Planerin im Team. Man gab ihr einen Prozess, eine Deadline und ein klares Ziel, und sie lieferte jedes Mal ab. Dann wurde das Team umstrukturiert und zusätzlich dazu angehalten, einen angemessenen Teil seiner Zeit für Innovationen aufzuwenden: lockerer Rahmen, schnelle Iterationen, im laufenden Betrieb entwickeln. Innerhalb eines Monats fragte sich ihr Vorgesetzter insgeheim, ob sie ihre Klasse eingebüßt hatte.
Das hatte sie nicht. Ihr Team erledigte nun zwei völlig unterschiedliche Aufgaben, doch an der Art und Weise, wie sie geführt, gemessen oder geleitet wurden, hatte sich nichts geändert. Das Problem war nicht sie selbst, sondern die Diskrepanz zwischen den beiden Bereichen.
Die wahre Ursache
Wir haben dies in Organisationen schon häufiger beobachtet, und die Ursache wird selten richtig erkannt. Wenn jemand nach einem Teamwechsel oder einer Änderung des Aufgabenbereichs nicht die erwartete Leistung erbringt, konzentrieren wir uns zunächst auf Fähigkeiten, Einsatz oder Motivation. Oft liegt das eigentliche Problem jedoch in der Unternehmenskultur: Das Team verfolgt andere Werte und einen anderen Führungsstil, als für diese Art von Arbeit erforderlich sind. Ein anderer Ansatz in Bezug auf Führung, Governance und Arbeitsweise kann die Lösung sein, um die Diskrepanz zu verringern.
Kim Cameron und Robert Quinns „Competing Values Framework“ (2006) erklärt dies. Es ordnet die Organisationskultur anhand zweier Fragen zu: Legt das Team Wert auf Flexibilität oder Kontrolle, und ist sein Fokus intern oder extern? Daraus ergeben sich vier unterschiedliche Kulturtypen, jeder mit seinem eigenen Führungsstil, seiner eigenen Erfolgsdefinition und seinem eigenen Teamtyp, der darin erfolgreich ist.
Kein Kulturtyp ist besser als der andere. Der Fehler liegt nicht in der Wahl der falschen Kultur. Er liegt in der Annahme, dass eine einzige Kultur, einheitlich angewendet, für alle Tätigkeiten in einem Unternehmen geeignet ist. Das ist nicht der Fall. Stabile, wiederholbare Aktivitäten erfordern eine andere Kultur und einen anderen Führungsstil als dynamische, komplexe Aufgaben.
Wie man ein Team zum Erfolg führt
AdhokratieDie Arbeit dieses Teams besteht darin, auf Veränderungen, neue Produkte, neue Kundenerwartungen, neue technologische Entwicklungen oder Wettbewerb zu reagieren. Es lebt von Raum für Experimente und schnellen Iterationen.
ClanDie Arbeit dieses Teams basiert auf fundiertem, spezifischem Fachwissen und der Anwendung spezialisierter Kenntnisse auf komplexe, klar definierte Probleme. Sie lebt von Vertrauen und engem Zusammenhalt der Mitglieder, die gemeinsam auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten.
MarktDieses Team passt sich schnell an Kundenbedürfnisse und neue Technologien an und führt Tätigkeiten aus, die mit denen anderer Organisationen vergleichbar sind. Es zeichnet sich durch klare Ziele und ergebnisorientierte Leistungsmessung aus, denn Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit haben hier oberste Priorität.
HierarchieDie Arbeit dieses Teams ist stabil und wiederholbar; es liefert ein gutes, zuverlässiges Produkt oder eine zuverlässige Dienstleistung zum richtigen Preis. Es lebt von Beständigkeit und erledigt die gleichen Aufgaben stets zuverlässig.

Zurück zu unserem Planer
Unsere Planerin hatte nicht versagt. Eine Umstrukturierung hatte neue Erwartungen an ihr Team gestellt: Neben ihren bisherigen Aufgaben mussten sie nun auch Zeit für Innovationen aufwenden. Diese Doppelbelastung durch ein und dasselbe Team führte zu Spannungen, die sich in der Unternehmensführung, den Arbeitsabläufen und der Unternehmenskultur bemerkbar machten. Idealerweise sind Stabilität und Innovation an unterschiedlichen Stellen im Unternehmen verankert, damit beide sich optimal entfalten können.
Manchmal lassen sich Minderleistung oder Spannungen auf individueller Ebene beobachten, doch das ist nicht der Kern des Problems. Es ist ein Problem des gesamten Teams: Eine Organisation braucht Raum für mehr als eine Unternehmenskultur, wobei jede Teamkultur auf die jeweilige Tätigkeit abgestimmt sein muss.