CIO-Masterclass: „Auf dem Weg zu einem skalierbaren, KI-gesteuerten Unternehmen“
Künstliche Intelligenz (KI) ist ein faszinierendes Thema mit großem Interesse. Experimente mit ChatGPT und Bildgenerierung können sowohl privat als auch beruflich spannend sein, doch die Umsetzung von KI in einen skalierbaren Geschäftsnutzen erweist sich als deutlich schwieriger. Die kürzlich von Anderson MacGyver veranstaltete CIO Masterclass bot hierzu wertvolle Einblicke, unterstützt von Unternehmensberater Anton Bubberman und Frank Ferro, der im vergangenen Jahrzehnt bei PostNL die Bereiche Analytics, Data Insights und GenAI verantwortete.

Eine informelle Umfrage unter den Teilnehmern ergab, dass alle bereits Erfahrung mit ChatGPT hatten. Als Moderatorin Fiep Warmendam die Teilnehmer bat, ihre zuletzt verwendete Abfrage mit ihrem Sitznachbarn zu teilen, wurde deutlich, dass das Tool vor allem für private Aufgaben nützlich ist – beispielsweise für die Planung eines spannenden Urlaubsziels inklusive der besten Routen oder die Auswahl eines neuen Handys oder anderer potenzieller Anschaffungen.
Smartwatches hingegen schienen weniger beliebt zu sein. Warmendam gab zu, dass sie es vermeidet, sich beim Laufen von einer Datenflut beherrschen zu lassen: „Das beeinflusst wahrscheinlich das Verhalten und die Entscheidungen. Ich befürchte, es könnte mir die Freude am Laufen nehmen – ich möchte den menschlichen Aspekt nicht verlieren.“ Dieses Risiko besteht auch im Geschäftsleben. Daten und Analysen können jedoch in anderen Bereichen einen Mehrwert bieten, beispielsweise bei der Vorhersage von Lieferzeiten für Mahlzeiten, Lebensmittel oder Pakete.
Dies bildete die Grundlage für die von den beiden Experten ausgetauschten Erkenntnisse und Erfahrungen. „Gemäß Roy Amaras Gesetz neigen wir dazu, die kurzfristigen Auswirkungen von KI zu überschätzen und ihre langfristigen zu unterschätzen“, bemerkte Anton Bubberman. Der Senior Management Consultant ist zudem Guild Lead Data to Value bei Anderson MacGyver und verfügt über umfassende einschlägige Datenexpertise in Branchen wie dem Gesundheitswesen, der Energiewirtschaft und dem Finanzsektor.
Kognitive Fähigkeiten
Unter dem ironischerweise und doch fesselnden Titel „Erstelle einen reißerischen Titel für meinen Vortrag über KI-Vision“Bubberman führte das Konzept der KI ein, die mit zunehmender Autonomie und Anpassungsfähigkeit immer leistungsfähiger wird. Letztendlich bewegen wir uns auf eine künstliche allgemeine Intelligenz (AGI) zu, die den kognitiven Fähigkeiten des Menschen entspricht. Dies würde es der KI ermöglichen, selbstständig komplexe Aufgaben in verschiedenen Bereichen zu bewältigen und sich an neue Situationen anzupassen. Da wir jedoch noch weit von der AGI-Phase entfernt sind, bleiben die menschliche Aufsicht und Überwachung der KI unerlässlich.
Bubberman skizzierte drei Erfolgsfaktoren für einen skalierbaren und potenziell wertschöpfenden KI-Einsatz in Organisationen und nutzte dabei Analogien aus dem Schach, dem Jazz und der Philosophie.
Schach Es dreht sich alles um Planung, Weitsicht und kontinuierliche Bewertung. „Umstände und Chancen verändern sich ständig, und Organisationen und Führungskräfte müssen sich anpassen. Man muss immer den nächsten Zug auf dem Schachbrett im Voraus denken.“
Die Verbindung mit Jazz Das Musizieren und Improvisieren mag zwar mühelos erscheinen, erfordert aber oft jahrelanges Üben. Neben technischen Fertigkeiten ist das Verständnis theoretischer Rahmenbedingungen und grundlegender Prinzipien unerlässlich. „Hingabe ist notwendig, um ein Instrument zu meistern. Dazu gehören sowohl fachliche als auch soziale Kompetenzen, wie beispielsweise die Interaktion mit anderen Bandmitgliedern.“ Im digitalen Bereich ist neben den technischen Voraussetzungen und der Berücksichtigung ethischer Aspekte eine KI-geprägte Kultur unerlässlich.
Schließlich haben Philosophie Dies unterstreicht die Ambivalenz von Werkzeugen. Das Skalpell eines Chirurgen kann Wunder vollbringen, doch in den Händen eines ungeschickten oder böswilligen Menschen kann es verheerende Folgen haben. Ähnlich verhält es sich mit KI: Sie birgt Risiken wie Polarisierung, Informationsblasen, Fehlinformationen und Verzerrungen – insbesondere dann, wenn Daten fehlerhaft sind oder menschliche Aufsicht potenzielle negative Auswirkungen nicht ausreichend berücksichtigt. „In den richtigen Händen hat KI das Potenzial, die Welt positiv zu verändern“, schloss Bubberman.
Lessons Learned
Frank Ferro blickte auf seine zehnjährige Erfahrung in der Wertschöpfung durch Daten und KI zurück. Er begann seine Präsentation mit einer Fülle persönlicher Daten – nebenbei bemerkt und relevante Details, die erst nach mündlicher Erläuterung Bedeutung erlangten. Von seiner Geburt bis zum Jahr 2025, wenn er nach fast 17 Jahren bei PostNL und einer befristeten Tätigkeit als Programmdirektor GenAI bei ANWB die Position des CIO bei Amsterdam UMC übernehmen wird.
Ferro gilt als Vorreiter bei der Einführung und Implementierung neuer Technologien. Bei PostNL verlagerte sich der Fokus schrittweise von physischen Dienstleistungen hin zur Nutzung von Daten und Algorithmen. „Unsere Vision war, dass Daten letztendlich Mehrwert schaffen würden“, erklärte er. Diese Transformation war entscheidend für die Positionierung von PostNL als „Posttechnologieunternehmen“ und unterstrich die Bedeutung interner Daten- und Technologiekompetenzen.
Die IT-Strategie von PostNL basiert seit Langem auf Prinzipien, die eine flexible Architektur fördern, um sich an neue Entwicklungen, einschließlich KI, anzupassen. Das Unternehmen war stets Vorreiter: von der vollständigen Umstellung auf Cloud-Lösungen im Jahr 2013 über die Einführung eines Kompetenzzentrums für Daten und Erkenntnisse sowie die Bereitstellung von Advanced Analytics im Jahr 2017 bis hin zum Einsatz von GenAI im Jahr 2024.
All dies wurde durch Entwicklungen vorangetrieben, bei denen sich die Mengen an Post und Paketen ständig verlagerten. Daten und Informationen waren unerlässlich, um die verfügbaren physischen Ressourcen optimal zu nutzen. Zudem verlagerte sich die Kontrolle über den Zustellungsprozess schrittweise vom Absender zum Empfänger. Die Bedeutung präziser Daten wurde durch die sich wandelnden Beziehungen zu den Partnern in der Lieferkette zusätzlich unterstrichen, die ebenfalls versuchten, kritische Informationen zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen.
Eine erfolgreiche Reise
PostNL hat insgesamt eine erfolgreiche Entwicklung durchlaufen. Laut Frank Ferro sind in diesem Prozess mehrere Aspekte weiterhin entscheidend. Die Verantwortung für Dateninitiativen muss beim Unternehmen liegen, und Organisationen sollten klein und in einem überschaubaren Umfang beginnen, bevor sie Algorithmen in größerem Maßstab industrialisieren. Autorisierter Zugriff auf qualitativ hochwertige Daten und die Implementierung einer robusten Daten-Governance sind ebenfalls unerlässlich.
Ferro erläuterte außerdem die föderierte Struktur der internen Datenkapazitäten, die so eng wie möglich mit den Geschäftsprozessen verknüpft sein soll. Er hob die zunehmende Wirkung einer eigens dafür eingerichteten GenAI-Taskforce hervor, deren Ziel es ist, möglichst schnell und effektiv Mehrwert zu schaffen.
Abgesehen von datenbezogenen Inhalten warf die abschließende Fragerunde die Frage auf, wie Führungskräfte und Organisationen entscheiden, welche Aspekte von Daten und KI intern verwaltet und welche an Partner delegiert werden. Besondere Prozesse und Aktivitäten scheinen dabei die Schlüsselfaktoren zu sein: „Ihr eigenes geistiges Eigentum und das, was Sie von der Konkurrenz abhebt“, stimmten Bubberman und Ferro überein. „Natürlich können Berater hierbei helfen, Klarheit zu schaffen.“
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