Resilienz in Zeiten des Wandels
Was können wir vom Spitzensport über Resilienz lernen?
Es gibt vier entscheidende Erfolgsfaktoren: Teamwork, Strategie, Daten und Wirkung. Dies gilt sowohl für große digitale Transformationen als auch für Spitzensport. In dieser Artikelreihe sprechen Unternehmensberater von Anderson MacGyver mit der mehrfachen Ruderweltmeisterin Lisa Bruijnincx. Seit April ist Lisa Teil des TeamNL 2025 und gewann Ende September ihre erste Weltmeisterschaft der Senioren. In diesem Blogbeitrag… Lisa Folkertsma-Sijtsma, Managementberaterin bei Anderson MacGyver, spricht mit ihr über mentale Widerstandsfähigkeit in Zeiten des Wandels: Was können Organisationen von einer Rudermannschaft für ihre digitale Transformation lernen?

Ambition und Motivation in Einklang bringen
Lisa rudert seit 2022 im Vierer-Skull und seit 2025 für TeamNL. Im Spitzensport geht es um Höchstleistungen, aber wie sorgt man dafür, dass der Spaß daran erhalten bleibt?
„Als ich in der U23-Mannschaft ruderte, hatte ich viel Spaß am Wettkampf, aber man erreicht nicht immer das gewünschte oder erhoffte Ergebnis. Ich musste viel daraus lernen und habe darüber nachgedacht, wofür ich eigentlich rudere. Die Schlussfolgerung war, mehr im Moment zu leben.“ Dieser mentale Wandel, vom reinen Fokus auf Leistung hin zum bewussten Erleben des Augenblicks, ist sowohl im Sport als auch in der Geschäftswelt entscheidend.
Zwischensprints auf dem Weg zur Ziellinie
Auf Lisa Folkertsma-Sijtsmas Frage, ob Lisa täglich über langfristige Ziele nachdenkt, antwortet Lisa: „Wenn alles gut läuft, hilft das auf jeden Fall. Aber wenn es zum Beispiel regnet, bin ich frustriert, und ein zukünftiges Ziel motiviert mich in diesem Moment nicht.“
Lisa konzentriert sich momentan voll und ganz aufs Rudern, verspürt aber bereits den Drang, ihren Geist auch anders einzusetzen als für das Ruderteam oder die Bootstechniken. Im Team wird zum Beispiel viel gestrickt und gehäkelt, was ein greifbares und erreichbares Ergebnis liefert.
Wie im Sport erfordert auch die digitale Transformation ein ausgewogenes Verhältnis zwischen langfristigen Zielen und kurzfristiger Motivation. Lisa Folkertsma-Sijtsma betont, dass dies bei einer (digitalen) Transformation gleichermaßen wichtig ist. „Eine Transformation ist in der Regel ein langfristiger Prozess. Das Aufteilen von Zielen kann die Motivation innerhalb einer Organisation hochhalten. Es ist außerdem wichtig, kleine, kurzfristige Erfolge zu feiern.“
Die Kraft fester Rituale – gemeinsam durch alle Zeiten
Lisa erklärt, dass ihr Team alle zwei Wochen ein kurzes Treffen abhält, um zu besprechen, wie es allen geht. „Manchmal machen wir auch eine Wettervorhersage-Besprechung. Wenn man sagt, es sei stürmisch, ist sofort klar, dass alle einem etwas Freiraum geben und Ruhe bewahren sollten.“
Kurze, regelmäßige Check-ins stärken den Teamzusammenhalt in Organisationen und ermöglichen es, Spannungen frühzeitig zu erkennen. Lisa Folkertsma-Sijtsma beobachtet dies insbesondere in Organisationen, die sich im Wandel befinden. Tägliche Check-ins dienen dazu, den Arbeitsfortschritt zu beurteilen, Schwierigkeiten aufzudecken und Unterstützungsbedarf zu ermitteln.
Die richtige Einstellung
„Unternehmen, die sich im digitalen Wandel befinden, stoßen oft auf Widerstand oder Zweifel. Welche Denkweise hilft Ihnen, durchzuhalten, insbesondere wenn es schwierig wird?“, fragt Lisa Folkertsma-Sijtsma.
Lisa erklärt, dass das übergeordnete Ziel des Teams die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles sind. „Der Weg dorthin bietet uns Raum für Experimente, aber in dieser Phase müssen wir auch Fehler in Kauf nehmen, um daraus zu lernen und uns für das übergeordnete Ziel zu optimieren. Das gesamte Team musste sich daran gewöhnen, denn das bedeutet, dass kurzfristig nicht immer alles nach Plan läuft, was aber zu einer besseren Leistung bei den Olympischen Spielen führen kann.“
Organisationen können sich auf unterschiedliche Weise verändern: manchmal durch einen durchdachten Plan, manchmal durch Experimentieren, Fehler machen und anschließend weitermachen. Unabhängig von den gewählten Veränderungsstrategien ist es wichtig, Raum für Widerstände zu lassen und für klare Kommunikation und angemessene Unterstützung zu sorgen.
Gemeinsam voranschreiten: Vertrauen als Grundlage des Erfolgs
Vertrauen innerhalb einer Rudermannschaft ist für die Teamleistung unerlässlich. Doch wie schafft man gegenseitiges Vertrauen und klare Kommunikation im Team, insbesondere unter hohem Druck?
„Wenn der Druck hoch ist, ist es wichtig, dass bestimmte Abläufe bereits etabliert sind. Ich gebe das Kommando, und in diesem Moment bleibt keine Zeit für Diskussionen. Das finale Rennen wird außerdem immer eine Woche im Voraus geprobt und visualisiert.“
Lisa Folkertsma-Sijtsma bestätigt, dass Proben und Visualisierungen auch in der Geschäftswelt weit verbreitet sind. „Bei Anderson MacGyver nennen wir das Situationsskizzen. Wenn Mitarbeiter neue Aufgaben und Verantwortlichkeiten übernehmen, gehen wir gemeinsam mit ihnen die neue Arbeitsweise im Arbeitsalltag durch. Das beseitigt Unsicherheiten und stellt sicher, dass die Mitarbeiter besser auf die neue Situation vorbereitet sind.“
Blick zurück, um vorwärts zu kommen
„Rudern wird als Vierjahresprojekt mit den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles als Ziel betrachtet. Daher ist die Auswertung extrem wichtig. Als Mannschaft besprechen wir stets, was verbessert werden kann und was beibehalten werden sollte. Auch innerhalb des gesamten TeamNL werden Auswertungen anhand der Mannschaftskombinationen und ihrer Leistungen durchgeführt. Das bedeutet, dass wir Auswertungsmomente auf verschiedenen Ebenen haben. Wir nehmen uns dafür immer Zeit und planen die Auswertung sogar vor dem endgültigen Ergebnis ein.“
Lisa Folkertsma-Sijtsma bestätigt dies für Organisationen, die sich in einem (digitalen) Transformationsprozess befinden. Bei jeder Transformation ist es wichtig, die zu messenden Kennzahlen zu definieren und diese auch tatsächlich zu erfassen. So kann der Kurs bei Bedarf angepasst werden, um das Ziel zu erreichen. Ebenso wichtig ist die regelmäßige gemeinsame Evaluation mit den beteiligten Teams: Wie erleben sie den Wandel bisher, was läuft gut und was könnte verbessert werden?
Resilienz als Kern der nachhaltigen Transformation
Wie Federer einmal sagte: „Die Besten der Welt sind nicht die Besten, weil sie jeden Punkt gewinnen, sondern weil sie wissen, dass sie immer wieder verlieren werden und gelernt haben, damit umzugehen.“
Resilienz bedeutet nicht, dass immer alles glattläuft, sondern dass man lernt, mit Rückschlägen, Unsicherheit und Veränderungen umzugehen. Das gilt im Spitzensport und in jeder Organisation, die sich im Wandel befindet.
Die wahre Stärke eines Teams liegt darin, dass es kontinuierlich lernt, reflektiert und einander vertraut, insbesondere unter zunehmendem Druck. Denn nur so kommt man voran, im wahrsten Sinne des Wortes und im übertragenen.